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Corona: Alles halb so schlimm?

Kolumne von Dr. Wolfgang Stefinger 

Es sind ungewöhnliche Zeiten: Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, Abstand halten, arbeiten und lernen von Zuhause, keine Besuche im Pflegeheim und von Freunden, kein Theater, kein Kino, kein Restaurantbesuch und einkaufen nur mit Maske. Auch mir fällt die Reduzierung der Sozialkontakte schwer, schließlich bin ich sonst viel unter Menschen und im Wahlkreis unterwegs. Die Maßnahmen verlangen von uns einiges ab – und dennoch sind sie richtig!

Covid-19 ist ein neuartiges Virus, das nicht vergleichbar ist mit bekannten Infektionen. Um das Virus besser zu verstehen, Behandlungsmöglichkeiten und einen Impfstoff zu entwickeln, wird viel Geld investiert. Wenn alles halb so schlimm wäre, müssten wir das nicht tun. Daher verwundern mich Aussagen und Vergleiche mit vorangegangenen Grippewellen. Immer wieder höre oder lese ich, die derzeitigen Einschränkungen wären überzogen, da ohnehin nur diejenigen mit Vorerkrankungen an Covid-19 sterben würden. Diese Aussage macht mich fassungslos und wütend zugleich. Alles halb so schlimm, weil es mich und mein Umfeld eh nicht trifft oder noch nicht getroffen hat? Heißt das, solange die anderen sterben ist es in Ordnung und die mit Vorerkrankungen haben halt Pech gehabt? Ich frage mich oft, wie es den Menschen geht, die zur Risikogruppe gehören, wenn sie solche Sätze lesen. Manche haben mir geschrieben und berichten von ihrer Angst das Haus zu verlassen und Angehörige zu treffen. Lässt Sie diese Angst kalt? Mich nicht!

Deutschland geht mit der Krise besser um als andere Länder. Schutzmaßnahmen wurden ergriffen, Intensivbetten aufgestockt und Masken, Schutzkleidung und medizinisches Gerät beschafft. Vielleicht kommen wir mit dem sprichwörtlich „blauen Auge“ davon, wenn wir weiterhin rücksichtsvoll und behutsam vorgehen und nicht egoistisch handeln. Manche werfen „der Politik“ nun vor, es wäre alles übertrieben. Schließlich wären zahlreiche Betten in den Kliniken leer und die große Infektionswelle sei ausgeblieben. Gott sei Dank ist sie ausgeblieben, sage ich! Gut, dass Vorkehrungen getroffen wurden und „die Politik“ entschlossen gehandelt hat! Was wäre gewesen, wenn sich das Virus so schnell verbreitet hätte, wie in anderen Ländern? Was wäre gewesen, wenn Ärzte hätten entscheiden müssen, bei wem sich die Behandlung noch „lohnt“ und bei wem nicht? Die Kommentare in den Zeitungen und im Internet wären vernichtend gewesen. Das Schlimmste aber: Es hätte mehr Menschenleben gekostet.

Für die Zukunft werden wir aus dieser Krise lernen und Vorsorge treffen müssen. Dazu gehört es Medikamente, Schutzausrüstung, Krankenhausbetten und medizinische Geräte bereitzuhalten und auch so manche Berufe besser zu bezahlen. Das alles kostet Geld. Wie belanglos wirkt da so manche Wohlstandsdiskussion der vergangenen Jahre. Ist es denn wirklich lebensnotwendig, hier und da noch etwas mehr für sich oder gar kostenlos vom Staat zu bekommen? Nein, das ist es nicht!

Der Staat muss Sicherheit und Freiheit gewährleisten. Er ist kein Rundum-Versorger, der alle Individualbedürfnisse absichert, mit unendlichen finanziellen Ressourcen. Er muss in der Krise handeln und seine Bevölkerung schützen. Das tut er! Und wir Bürger, wir müssen füreinander da sein – derzeit gerade für die, die schutzbedürftig sind. Das ist gelebte Solidarität und Mitmenschlichkeit. Bleiben oder werden Sie gesund!