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Stabilität für den Libanon: Hilfe ja – aber mit klaren Bedingungen

Deutschland muss den Libanon gezielt unterstützen, dabei aber klare Bedingungen setzen.

Was tausende Kilometer entfernt im Nahen Osten geschieht, wirkt auf den ersten Blick weit weg vom eigenen Alltag. Doch diese Einschätzung greift zu kurz. In einer zunehmend vernetzten Welt hängen Stabilität, Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung eng zusammen – auch für uns in Deutschland. Genau deshalb habe ich im Deutschen Bundestag im Rahmen einer aktuellen Stunde zur militärischen Eskalation und zur humanitären Notlage im Libanon gesprochen und deutlich gemacht, worauf es jetzt ankommt.

Ein Land mit Potenzial – blockiert durch strukturelle Probleme
Der Libanon steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Nach Jahren schwerer Krisen – wirtschaftlicher Einbruch, politische Lähmung und gesellschaftliche Spannungen – zeichnet sich erstmals wieder eine vorsichtige Chance auf Stabilisierung ab. Doch diese Entwicklung bleibt fragil.

Dabei verfügt das Land über enormes Potenzial: wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich. Dieses Potenzial wurde jedoch über Jahre systematisch ausgebremst – durch Korruption, schwache staatliche Strukturen und vor allem durch den Einfluss der Hisbollah. Die Organisation hat staatliche Institutionen unterwandert und die Souveränität des Landes zunehmend ausgehöhlt. Die Folgen sind gravierend: Ein Großteil der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, die Landeswährung hat massiv an Wert verloren, Ersparnisse sind vernichtet und die Inflation ist außer Kontrolle geraten.

Sicherheitsrisiko Hisbollah und die Chance auf politischen Wandel
In meiner Rede habe ich betont: Die Hisbollah ist nicht nur eine Miliz, sondern ein zentraler Machtfaktor und ein entscheidendes Hindernis für Stabilität im Libanon. Durch ihre enge Anbindung an das iranische Regime verfolgt sie eigene geopolitische Interessen und hält das Land in einer dauerhaften Abhängigkeit.

Gleichzeitig gibt es aber auch ermutigende Entwicklungen. Die direkten Gespräche zwischen Israel und dem Libanon zeigen, dass innerhalb des Landes Kräfte existieren, die an einer friedlichen Zukunft interessiert sind und Verantwortung übernehmen wollen. Hier öffnet sich ein politisches Fenster – möglicherweise die wichtigste Chance seit Jahren, um den Libanon auf einen stabileren Kurs zu bringen.

Deutschlands Verantwortung: gezielte Hilfe mit klaren Bedingungen
Deutschland leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung des Libanon. Wir investieren in die Grundversorgung, stärken die Infrastruktur und schaffen mit Programmen wie „Cash-for-Work“ Beschäftigungsmöglichkeiten für Einheimische und Flüchtlinge. Gleichzeitig fördern wir gezielt Bildung und wirtschaftliche Perspektiven, etwa durch den Wiederaufbau von Berufsschulen, die jungen Menschen Chancen auf Ausbildung und Arbeit eröffnen.

Auch im Bereich der Ernährungssicherung unterstützen wir landwirtschaftliche Projekte, um Abhängigkeiten zu reduzieren und lokale Wertschöpfung zu stärken. Deutschland gehört damit zu den wichtigsten Partnern des Landes.

Klar ist aber auch: Diese Unterstützung darf nicht bedingungslos erfolgen. Sie muss an konkrete Fortschritte geknüpft sein – insbesondere an die Wiederherstellung staatlicher Kontrolle, die Entwaffnung der Hisbollah und eine schrittweise Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Stabilität entsteht nicht durch Wegsehen, sondern durch klare Bedingungen und konsequentes Handeln.

Am Ende geht es um die Menschen im Libanon. Sie haben ein Recht auf Sicherheit, wirtschaftliche Perspektiven und einen funktionierenden Staat – und genau dafür müssen jetzt die richtigen politischen Entscheidungen getroffen werden.

Die gesamte Rede finden Sie hier.