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Effizient helfen, deutsche Interessen wahren: Entwicklungszusammenarbeit im Wandel

Die Delegationsreise in die USA und nach Mexiko zeigte, dass Entwicklungspolitik effizienter und interessengeleiteter sein muss.

Die Weltordnung verändert sich spürbar. Finanzielle Spielräume werden enger, internationale Konflikte nehmen zu und zugleich wächst der Anspruch an eine wirksame Entwicklungszusammenarbeit. Für Deutschland bedeutet das: Wir müssen genauer hinschauen, Prioritäten klar setzen und internationale Kooperation strategisch ausrichten. In einer Zeit knapper werdender Mittel und geopolitischer Umbrüche kommt es darauf an, Wirkung, Effizienz und nationale Interessen klar im Blick zu behalten. Genau deshalb war ich vom 8. bis 15. Februar 2026 mit einer Delegation des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in den USA und in Mexiko unterwegs: um Reformprozesse zu begleiten, Partner zu treffen und mir ein Bild aus erster Hand zu machen.

New York: Klares Bekenntnis zum Multilateralismus

Der erste Reisetag stand im Zeichen der Vereinten Nationen in New York. Die UN sind der letzte Ort, an dem über 190 Nationen im Gespräch bleiben – unabhängig von Kontinenten und politischen Gesinnungen. Dieses Forum echter multilateraler Zusammenarbeit ist durch kein „Peace Board“ eines US-Präsidenten zu ersetzen.

In Gesprächen mit Vertretern zentraler UN-Organisationen wie UNICEF, UN Women, UNFPA sowie dem Exekutivbüro des VN-Generalsekretärs ging es vor allem um die Frage, wie Entwicklungszusammenarbeit trotz knapper Mittel effizient und wirksam gestaltet werden kann. Klar ist: Auch die UN brauchen Reformen – und daran wird gearbeitet.

Im Mittelpunkt stand die UN80-Initiative. Ziel ist es, Prozesse so weiterzuentwickeln, dass begrenzte Mittel kosteneffizient eingesetzt, Krisen besser bewältigt und Partnerländer stärker berücksichtigt werden. Entscheidend bleibt: Jeder Euro aus Deutschland muss bestmöglich wirken.

Washington: Weltbank-Reformen und Realitätssinn

In Washington prägte erneut die multilaterale Zusammenarbeit die Gespräche. Im Austausch mit Weltbank-Präsident Ajay Banga wurde deutlich: Entwicklungsfinanzierung muss stärker wirkungsorientiert sein. Projekte sollen vermehrt mit privaten Investoren umgesetzt werden, um zusätzliches Kapital zu mobilisieren. Dabei wird vom Ergebnis her gedacht – also von der konkreten Wirkung für das jeweilige Land.

Mit Blick auf das weltweite Bevölkerungswachstum geht es darum, durch wirtschaftliche Entwicklung Konflikte zu vermeiden, irreguläre Migration zu reduzieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Stabilität entsteht durch Perspektiven – das liegt auch in unserem Interesse.

Gespräche mit Thinktanks und Organisationen im Umfeld von USAID zeigten: Die USA bleiben zwar größter bilateraler Geber, doch es gab deutliche Einschnitte. Die Mittel sind nicht mehr auf früherem Niveau. Entscheidend ist daher der nüchterne Blick auf die tatsächliche Umsetzung – nicht nur auf politische Ankündigungen. Einzelne UN-Organisationen erhalten weiterhin Mittel, insgesamt sind die Kürzungen jedoch spürbar.

Mexiko: Partnerschaft mit Potenzial

In Mexiko stand die engere Verzahnung von Entwicklungszusammenarbeit und wirtschaftlicher Kooperation im Mittelpunkt. Das Schwellenland bietet große Chancen – auch für Deutschland.

Im mexikanischen Parlament tauschten wir uns mit Abgeordneten und der deutsch-mexikanischen parlamentarischen Freundschaftsgruppe aus und führten Gespräche mit der GIZ und der KfW. Beim Empfang des deutschen Botschafters wurde die Partnerschaft bekräftigt.

Projektbesuche im Nationalpark „El Tepozteco“ und im Ökotourismus-Zentrum Temachtiani zeigten konkret, wie deutsche Zusammenarbeit Biodiversität und kulturelles Erbe schützt. Gespräche mit zivilgesellschaftlichen Organisationen machten zugleich deutlich, dass Menschenrechtsfragen und die Problematik der Kartelle weiterhin große Herausforderungen darstellen.

Mit der Catalyst-Initiative wurde sichtbar, wie – unterstützt durch BMZ und KfW – Klima-Start-ups wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz verbinden. Mexiko hat großes Potenzial. Dieses gilt es weiter auszubauen – im gemeinsamen Interesse.

Die Reise hat gezeigt: Multilaterale Zusammenarbeit bleibt notwendig – aber sie muss effizienter, wirkungsorientierter und strategischer werden. Entwicklungszusammenarbeit ist kein Selbstzweck, sondern dient Stabilität, wirtschaftlicher Stärke und Sicherheit. Unser Anspruch bleibt, internationale Verantwortung zu übernehmen und dabei konsequent deutsche Interessen zu vertreten.