Während weltweit Lieferketten unter Druck stehen, Handelskonflikte zunehmen und wirtschaftliche Unsicherheiten wachsen, setzt Europa im Januar 2026 ein bewusstes und wichtiges Gegenzeichen: auf Offenheit, Verlässlichkeit und strategische Partnerschaften. Für einen exportstarken Standort wie München – mit Industrie, Mittelstand, Technologie- und Dienstleistungsunternehmen – ist das keine abstrakte Außenpolitik, sondern eine zentrale Voraussetzung für Wachstum, sichere Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität.
EU–Indien: Freihandelsabkommen mit globaler Dimension
Mit der politischen Einigung auf ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien entsteht eine Freihandelszone mit 1,45 Milliarden Menschen. Die wirtschaftliche Bedeutung ist enorm: Bereits heute tauschen die EU und Indien Waren und Dienstleistungen im Wert von über 180 Milliarden Euro jährlich aus und sichern damit rund 800.000 Arbeitsplätze in der Europäischen Union. Mit dem Abkommen sollen die EU-Warenausfuhren nach Indien bis 2032 verdoppelt werden.
Kern des Abkommens ist die Abschaffung oder Senkung von Zöllen auf 96,6 Prozent der EU-Exporte nach Indien. Dadurch werden jährlich rund vier Milliarden Euro an Zöllen eingespart. Besonders profitieren wichtige Industriebranchen wie Automobilbau, Maschinenbau, Chemie und Pharma, aber auch die Landwirtschaft und der Dienstleistungssektor. Ein eigenes Kapitel für kleine und mittlere Unternehmen sorgt dafür, dass gerade der Mittelstand von mehr Transparenz, klaren Ansprechpartnern und größerer Planungssicherheit profitiert.
EU–Mercosur: Neue Impulse für Wachstum und Beschäftigung
Das EU-Mercosur-Abkommen ist ein wichtiger Schritt für die europäische Handelspolitik. Mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay entsteht perspektivisch eine der größten Freihandelszonen der Welt mit über 700 Millionen Menschen. Der Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen soll Wachstum, Innovation und Beschäftigung stärken. EU-Exporteure könnten jährlich mehr als vier Milliarden Euro an Zöllen einsparen, während der Handel mit den Mercosur-Staaten bereits heute über 600.000 Arbeitsplätze in der Europäischen Union sichert. Gleichzeitig bleiben die hohen europäischen Standards bei Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Verbraucherschutz sowie der Schutz sensibler Agrarbereiche vollständig erhalten.
Das Abkommen besteht aus zwei Teilen. Das Interims-Handelsabkommen betrifft ausschließlich Handelsfragen und fällt in die Zuständigkeit der EU. Es muss vom Europäischen Parlament ratifiziert werden, das jedoch am 21. Januar mit knapper Mehrheit eine Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof beschlossen hat. Infolge dieser Entscheidung wurde das Ratifizierungsverfahren vorläufig ausgesetzt, was parteiübergreifend auf Kritik stieß.
Unabhängig davon ist eine vorläufige Anwendung des Handelsabkommens weiterhin möglich, sobald der erste Mercosur-Staat den Vertrag ratifiziert hat – erwartet wird dies im März in Paraguay. Das umfassendere Partnerschaftsabkommen, das auch Investitionen und politische Zusammenarbeit umfasst, muss hingegen von allen nationalen Parlamenten ratifiziert werden, was den Prozess deutlich verlängern kann.
Regelbasierter Handel mit klaren Werten
Beide Abkommen stehen für eine moderne, wertebasierte europäische Handelspolitik. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte sowie internationale Umwelt-, Arbeits- und Sozialstandards sind fest verankert. In einer Zeit globaler Umbrüche und zunehmender Abschottung senden die Vereinbarungen ein klares Signal für Multilateralismus, Zusammenarbeit und wirtschaftliche Vernunft.