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Entwicklungspolitik muss auch unseren Interessen dienen

Entwicklungspolitik muss wirksam helfen und zugleich deutsche Interessen, Sicherheit und wirtschaftliche Chancen stärken.

Was hat der Krieg im Sudan mit uns in Deutschland zu tun? Mehr, als man zunächst vermuten könnte. Über 13 Millionen Menschen wurden dort aus ihrer Heimat vertrieben, viele von ihnen suchen Schutz in den Nachbarländern Tschad, Ägypten oder Uganda. Diese Staaten tragen einen Großteil der humanitären Last – obwohl ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten deutlich geringer sind als unsere. Warum es deshalb auch in unserem eigenen Interesse liegt, diese Länder zu unterstützen, habe ich in dieser Woche im Deutschen Bundestag bei der Beratung des Haushalts 2027 für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung deutlich gemacht. Für mich gilt: Entwicklungspolitik muss dort ansetzen, wo sie konkret wirkt – und zugleich deutsche und europäische Interessen im Blick behalten.

Hilfe vor Ort ist wirtschaftlich vernünftig

Am Beispiel des Sudan zeigt sich, warum Unterstützung in den Herkunfts- und Aufnahmeregionen so wichtig ist. Nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfe kann mit rund 360 Dollar im Jahr – also weniger als einem Euro pro Tag – ein Mensch in einer Krisenregion ernährt werden. Für einen Kaffee oder einen schnellen Snack geben wir selbstverständlich drei, vier oder fünf Euro aus. Der Vergleich zeigt, wie viel mit vergleichsweise geringen Mitteln vor Ort erreicht werden kann.

Investitionen in Wasserversorgung, Nahrung, Schulen und Arbeit stabilisieren die Aufnahmeländer und schaffen Perspektiven. Das ist humanitär richtig und zugleich ökonomisch klug. Verantwortungsvolle Migrationspolitik bedeutet deshalb auch, diejenigen Länder zu unterstützen, die bereits heute viele Flüchtlinge aufnehmen.

Entwicklungspolitik ist auch Wirtschaftspolitik

Entwicklungszusammenarbeit darf sich nicht auf Krisenhilfe beschränken. Sie ist auch Wirtschafts- und Interessenpolitik. Gerade wenn weltweit um Rohstoffe, Märkte und strategischen Einfluss gerungen wird, müssen wir unsere eigenen Interessen stärker in den Blick nehmen. Deshalb begrüße ich den geplanten Gewährleistungsrahmen für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Staatliche Garantien sollen dazu beitragen, private Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern abzusichern und zusätzliches Kapital zu mobilisieren. Denn die großen globalen Herausforderungen lassen sich nicht allein mit staatlichen Haushaltsmitteln bewältigen. Gleichzeitig können so neue wirtschaftliche Partnerschaften entstehen und Chancen für deutsche Unternehmen eröffnet werden.

Klare Prioritäten setzen

Der Regierungsentwurf für 2027 sieht für das Entwicklungsministerium Ausgaben von 9,47 Milliarden Euro vor, nach 10,05 Milliarden Euro im Jahr 2026. Mit geplanten Investitionen von 5,92 Milliarden Euro bleibt der Einzelplan dennoch einer der größten Investitionshaushalte des Bundes.

Klar ist aber auch: Deutschland kann nicht jede Krise dieser Welt mit Steuergeld lösen. Deshalb müssen wir dort handeln, wo deutsche Interessen, europäische Sicherheit und die Zukunft unserer Partner auf dem Spiel stehen.

Für mich bedeutet moderne Entwicklungspolitik deshalb: Migration ordnen, wirtschaftliche Interessen wahren, private Investitionen mobilisieren und internationale Partnerschaften stärken. Humanitäre Verantwortung und deutsche Interessen sind dabei keine Gegensätze.

Deutschland kann nicht jedes Problem lösen. Aber wir können dort Verantwortung übernehmen, wo unsere Hilfe tatsächlich wirkt – für unser Land, für unsere Partner und für die Menschen, die Unterstützung brauchen.

Meine gesame Rede finden Sie unter diesem Link.