(c) Büro Dr. Wolfgang Stefinger

Olympische Spiele in Deutschland?  – München setzt sich durch

München ist der deutsche Kandidat für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Die Internationale Entscheidung steht noch bevor....

Deutschland wagt den Schritt zurück auf die große olympische Bühne. Mit der klaren Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Ende September steht fest: Die bayerische Landeshauptstadt München geht als offizieller deutscher Kandidat in das Rennen um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Aus bundespolitischer Perspektive markiert dieser Beschluss weit mehr als nur eine sportpolitische Vorentscheidung – es ist ein Lackmustest für die Zukunftsfähigkeit, die verlässliche Infrastruktur und den gesamtstaatlichen Zusammenhalt unseres Landes.

Der aktuelle Stand: Vom nationalen Zuschlag zum globalen Wettbewerb

Nachdem sich München im internen Ausscheidungsverfahren gegen die Konkurrenz der Region Köln/Rhein-Ruhr durchsetzen konnte – Berlin hatte seine Bewerbung zuvor zurückgezogen, richtet sich der Blick nun mit Hochdruck auf die internationale Ebene.

Das Internationale Olympische Comité (IOC) hat Anfang Oktober die offizielle Liste der potenziellen internationalen Konkurrenten für die Spiele 2036 veröffentlicht. München sieht sich dabei einem halben Dutzend an Mitbewerbern aus aller Welt gegenüber. Beworben haben sich Regionen aus Katar, Indien, Südkorea, Ungarn, der Türkei und Südafrika.

Das bedeutet: Eine deutsche Olympiabewerbung kann im globalen Wettbewerb nur dann erfolgreich sein, wenn Bund, Freistaat und die Kommunen an einem Strang ziehen. Die gemeinsame Kommunikation von Ministerpräsident Markus Söder und dem Münchner Oberbürgermeister Krause sind dafür ein gutes Zeichen!

Wie geht es jetzt weiter?

Das Regelwerk des IOC sieht eine erneute, standardisierte Überprüfung der öffentlichen und politischen Zustimmung in den Bewerberregionen vor. Da die Evaluierung nach einheitlichen Mustern global vergleichbar sein muss, rückt die Frage nach dem Rückhalt in der Bevölkerung wieder stärker in den Fokus. Dieser Schritt ist jedoch kein Stolperstein, sondern eine Chance. Bereits bei früheren ähnlichen Projekten zeigte sich, dass Großereignisse dieser Dimension in Deutschland nur mit transparenter Bürgerbeteiligung und einem stabilen demokratischen Konsens zu machen sind. Den Willen zu Olympischen Spielen in München hat die Stadtbevölkerung bereits deutlich mit dem Bürgerentscheid bewiesen. Ich bin mir sicher: Auch eine erneute Abstimmung wird die deutliche Unterstützung der Bevölkerung für Olympia zeigen!

Warum Nachhaltigkeit und das Erbe von 1972 überzeugen

Die Münchner Bewerbung konnte bisher vor allem mit dem, was heute international gefordert ist, überzeugen: Man setzt konsequent auf Bestandsinfrastruktur. Nur bei Projekten, wo es absolut notwendig und eine Nachnutzung gesichert ist, wird neu gebaut. Der legendäre Olympiapark von 1972 bildet zusammen mit modernisierten Anlagen das Herzstück des Konzepts.

Dies schont nicht nur die öffentlichen Haushalte in Bund und Ländern, sondern erfüllt auch die strengen Vorgaben des IOC in puncto Nachhaltigkeit und Klimaverantwortung.

Persönlich erhoffe ich mir von Olympia für München aber noch mehr. Die Stadt steht am Anfang eines schwierigen Wegs. Die Münchner Infrastruktur ist bereits überreizt und ein Nachlassen des Zuzugs ist nicht in Sicht. Es braucht eine Erneuerung und den Ausbau gerade des Schienenverkehrs. Wie bereits schon 1972 könnten diese Spiele München den notwendigen Schwung geben, sich zu modernisieren und den Auftakt für ein Jahrzehnt der Erneuerung markieren. Mit der zweiten Stammstrecke ist unabhängig von der Olympiabewerbung bereits ein zentrales Projekt für die Infrastruktur begonnen. Wir dürfen uns darauf aber nicht ausruhen. Stattdessen sollten wir die kommenden Jahre nutzen, um unsere schöne Stadt auf die kommenden Jahrzehnte vorzubereiten.

Ein Signal für Deutschland

Wenn es gelingt, die internationale Konkurrenz durch ein Konzept der kurzen Wege, bürgerlichen Verankerung und sportlichen Exzellenz zu überzeugen, können diese Spiele zu einem Identifikationsfaktor für ganz Deutschland werden – von Nord bis Süd, von Ost bis West. Die anstehenden Prozesse zur Absicherung der Zustimmung und die Verfeinerung der Unterlagen bis Ende Oktober werden zeigen, wie geschlossen die Bundesrepublik dieses Sportgroßprojekt vorantreibt und inwieweit München zur Modernisierung bereit ist.