Stefinger am Kocherlball beim Chinesischen Turm

„Der Kocherlball findet statt, laut Wetter-Radar verzieht sich der Regen pünktlich!“ Diese Meldung war ab 4:37 Uhr auf der Homepage des Restaurants am Chinesischen Turm zu lesen. Und die Wirtsleute Antje Schneider und Anneliese Haberl sollten recht behalten. Kurz vor dem offiziellen Beginn um 6 Uhr morgens hörte es auf zu regnen und so lockte der alljährliche Kocherlball rund 7.000 Besucher in den Englischen Garten. Bis in den späten Vormittag hinein wurde getanzt und gefeiert und so an die alte Tradition des „Dienstboten-Tanzes“ erinnert.

Im biedermeierlichen München Ende des 19. Jahrhunderts waren öffentliche Tanzplätze nämlich sehr beliebt. Am Chinesischen Turm trafen sich an den Sommersonntagen die einfachen Leute zum Tanz. In den frühen Morgenstunden versammelten sich am Chinaturm Köche, Gärtner, Zimmer- und Kindermädchen, Zofen und viele andere Dienstboten und Diener. Getanzt wurde so früh, weil die „Kocherl“ später, wenn die feinen Herrschaften aus der Kirche zurück waren, wieder ihren Dienst verrichten mussten. Davon hat der „Kocherlball“ seinen Namen bis heute.