Sommerzeit: Nutzen für Deutschland fraglich

In wenigen Wochen ist es wieder soweit: Die Uhren werden in Europa um eine Stunde vorgestellt. Zum möglichen Nutzen der Zeitumstellung gibt es seit ihrer Einführung kontroverse Diskussionen. Die EU-Kommission hat bereits 2007 festgestellt, dass die Umstellung der Uhren, abgesehen von der Begünstigung von Freizeitaktivitäten und der Erzielung geringfügiger Energieeinsparungen, kaum Auswirkungen habe.

Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) kommt zu der Auffassung, dass sich die Rahmenbedingungen seit 2007 teilweise geändert haben. Anzuführen seien, laut TAB, der Strukturwandel im Energiesektor, Verschiebungen zwischen Wirtschaftszweigen, neue Beschäftigungsmodelle oder ein verändertes Mobilitätsund Freizeitverhalten. Diese Punkte könnten Anlass geben für eine substanzielle Neubewertung der Auswirkungen der Sommerzeit.

 

Geringer Effekt auf den Energieverbrauch

Laut TAB-Bericht wurden beim Stromverbrauch in knapp zwei Dritteln aller Analysen sehr geringfügige Einsparungen ermittelt. Unter Einbeziehung aller vorliegenden nationalen Stromverbrauchsstudien ergibt sich eine Bandbreite von -0,9 bis 1%. Bei der Mehrzahl der Studien wurde eine Minderung von weniger als 0,2% des Stromverbrauchs oder 0,03% des Endenergieverbrauchs eines Landes festgestellt. Ähnliche Werte ergeben sich im Bereich der Raumwärme.

 

Effekt der Sommerzeit auf die Gesundheit

Laut TAB-Bericht gibt es vermehrte wissenschaftliche Anhaltspunkte, dass sich der Bio-Rhythmus des Menschen insbesondere bei der Zeitumstellung im Frühjahr nicht so einfach anpasst. Es lägen Hinweise vor, dass der Anpassungsprozess sogar binnen vier Wochen nach der Umstellung möglicherweise nur unvollständig bzw. gar nicht gelingt. Die Zeitumstellung im Herbst sei weniger problematisch. Die relevanten Folgen sind unklar. Jedoch sei nicht davon auszugehen, dass mit ernsthaften bzw. anhaltenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen gerechnet werden muss.

 

Effekt auf die Wirtschaft

In einigen Branchen entstehe durch die Zeitumstellung ein kurzfristiger Anpassungsbedarf (z.B. in der Landwirtschaft und im Schienenverkehr), allerdings scheint dies zur unproblematischen Routine geworden zu sein. Die Freizeit- und Tourismuswirtschaft könnte von der längeren Tageshelligkeit am Abend profitieren, da Freizeitaktivitäten begünstigt würden. Alle publizierten Informationen beruhen jedoch auf subjektiven Einschätzungen. Belastbare, evidenzbasierte wissenschaftliche Grundlagen gibt es zu den Auswirkungen auf die Wirtschaft jedoch nicht. Eine angestrebte Erhebung unter deutschen Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Berufsvertretungen hatte – so der TAB-Bericht – eine äußerst geringe Rücklaufquote.

Rechtliches

Rechtlich gesehen ist es Deutschland nicht möglich die Zeitumstellung im Alleingang abzuschaffen. Jede Änderung des gegenwärtig bestehenden halbjährlichen Wechsels zwischen Normal- und Sommerzeit erfordere grundsätzlich eine Änderung der entsprechenden EU-Richtlinie 2000/84/EG. Ob ein Verfahren zur Änderung der Sommerzeitregelung eingeleitet werde, liege allein im Ermessen der EU-Kommission die dazu erstmal vom EU-Parlament, dem EU-Rat oder durch eine Europäische Bürgerinitiative aufgefordert werden müsste.

Natürlich steht das Thema Zeitumstellung angesichts der aktuell brisanten Themen wie der Lösung der Flüchtlingskrise nicht oben auf der Agenda. Dennoch muss das Für und Wider abgewogen werden. Schließlich beschäftigt das Thema viele Menschen. Über 570 Petitionen sind hierzu beim Bundestag eingegangen. Festzustellen bleibt nach dem Bericht, dass die Sommerzeit in Deutschland eigentlich überflüssig ist. Ich persönlich begrüße es allerdings, wenn es im Sommer abends länger hell ist.

Der TAB-Bericht ist unter: http://www.tab-beimbundestag.de/de/untersuchungen/u20100.html abrufbar.