Patientenversorgung mit Heil- und Hilfsmitteln verbessert

Der Deutsche Bundestag hat jetzt das Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) beschlossen. Es sieht zahlreiche Änderungen zum Wohle der Patienten in der Versorgung vor. Die Überarbeitung war notwendig geworden, weil die Zahl älterer, chronisch und mehrfach Erkrankter in Deutschland stetig steigt. Aus diesem Grund müssen wir mehr in die Prävention investieren. Für uns gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Heilmittelleistungen, also Behandlungen von Physio- und Ergotherapeuten, Podologen wie Logopäden, und Hilfsmittel werden durch das HHVG stärker in die Gesundheitsversorgung mit eingebunden. Bisher spielte der Arzt die entscheidende Rolle, wenn es um Art, Dauer und Frequenz der Therapieeinheiten ging. Das führte nicht immer zu optimalen Versorgungsergebnissen. Patienten mussten bspw. nach zehn Terminen erneut zum Arzt und hoffen, dass ein weiteres Rezept ausgestellt wird. Ohne ein Rezept vom Arzt übernehmen die Krankenkassen keine Kosten. Therapeuten waren durch die exakte Verordnung sehr in ihren Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Der Patient war der Leidtragende. Er stand sprichwörtlich zwischen den Stühlen beider Leistungserbringer.

Die Hilfsmittelversorgung in Deutschland ist auf einem hohen Niveau. Mehr als 30.000 Hilfsmittel werden von den gesetzlichen Krankenkassen bereits erstattet. Viele Menschen haben sich über minderwertige Hilfsmittel beschwert. Rollstühle und viele andere Produkte genügen oft nicht den Ansprüchen, die im Alltag an sie gestellt werden. Hier bestand Handlungsbedarf und nun wurden mit dem Gesetz einige Änderungen vorgenommen.

Was sind die zentralen Inhalte des Gesetzes?

Wir erweitern den Spielraum für die therapeutische Arbeit und geben klare Spielregeln für die Qualität der Hilfsmittelversorgung in Deutschland. Behandlungsmaßnahmen, Dauer und Frequenz können unter bestimmten Bedingungen zukünftig durch die Therapeuten selbst festgelegt werden. Ärzte stellen ein Blankorezept aus und der Therapeut entscheidet, welche Maßnahmen er durchführt. Ärzte bleiben also Teil der Verantwortungskette, überlassen jedoch den Heilmittelerbringern die fachliche Umsetzung. Das ist gut so, da viele von ihnen hochqualifiziert und sehr gut ausgebildet sind. Diese Regelung findet zunächst modellhaft für drei Jahre in der Erprobung Anwendung. Gleichzeitig stärken wir die Leistungserbringer in ihrer Versorgungssituation. Zukünftig sollen sie unabhängiger mit den Kassen in Vergütungsverhandlungen gehen. So haben sie die Möglichkeit, eine bessere finanzielle Grundlage zu erzielen. Was man dabei auch nicht vergessen darf, wir müssen den Beruf des Therapeuten wieder attraktiver machen – eine leistungsgerechte Vergütung kann da schon helfen.

Das Hilfsmittelverzeichnis ist ein strukturiertes Produktverzeichnis aller gelisteten Hilfsmittel. Dieses Verzeichnis wird vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen geführt. Es umfasst mehr als 30.000 Produkte für die Versorgung von Patienten. Um diese sicherzustellen, wird das Hilfsmittelverzeichnis grundlegend überarbeitet. Zukünftig sollen Qualitätsansprüche stärker in die Auswahlkriterien eingebunden werden. Hier gilt die Faustregel: 50 Prozent Qualität, erst danach darf der Preis eine Rolle spielen. Nach dieser Überarbeitung sind die Maßstäbe fortlaufend zu aktualisieren und an den neuesten technischen Fortschritt anzupassen.

Was bedeutet das konkret für die Patienten?

Patienten können direkt mit den Therapeuten die Behandlung ihrer Beschwerden vereinbaren, das kann die Versorgung vor Ort verbessern und stärkt das Vertrauen ins Therapeuten-Patienten-Verhältnis. Durch die engere Absprache können beide individuell beurteilen, welche Maßnahmen am besten zur Behandlung geeignet sind. Den Patienten kann auf diese Art und Weise besser und schneller geholfen werden, da lästige zusätzliche Wartezeiten in den Arztpraxen entfallen.

Auch in der Hilfsmittelversorgung profitieren Patienten direkt, beispielsweise durch eine größere Auswahl zuzahlungsfreier Produkte, einer besseren Produktqualität, einem schnelleren Zugang zu innovativen Produkten und einem Mehr an Informationen. In den Sanitätshäusern erfahren Patienten eine umfangreichere Beratung und von den Kassen erhalten sie eine bessere finanzielle Unterstützung. Wichtig ist: Jeder Patient erhält eine Grundversorgung – mit einem gesunden Versorgungsniveau.