Maßstäbe für unser Handeln – Alois Glück im Wahlkreis

Woran messen Menschen das Verhalten des Einzelnen und der Gesellschaft? Welche Kriterien entscheiden über Richtig und Falsch, Gut und Schlecht?

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Ohne Manuskript trug Alois Glück seine Thesen von einer „zukunftsfähigen Kultur“ vor. Der frühere Präsident des Bayerischen Landtags und heutige Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken war immer ein Mann, „der den Blick nach vorne richtet“, wie es der Geistliche Rat Herbert Kellermann in seiner Begrüßung formulierte. Aber die Deutlichkeit, mit der er der heutigen Gesellschaft den Spiegel vorhielt, überraschte die Zuhörer, unter ihnen viele Pfarrer und Pfarrgemeinderäte, dann doch.

„Wir erarbeiten nicht mehr, was wir verbrauchen – und immer mehr Menschen schaffen es nicht, mit dem heutigen Leben klar zu kommen.“ In den politischen Debatten dominiere längst die Frage, wie heute umverteilt wird, und nicht der Gedanke an die Zukunft. Dabei seien die technologischen Möglichkeiten so gut wie nie zuvor, aber die Digitalisierung verändere auch unser gesamtes Leben, so Glück. Daher sei es an der Zeit, sich neu zu orientieren. Der einfachste Rat an die Gesellschaft sei, sich so zu verhalten, wie es Eltern ihren Kindern gegenüber tun: „Eltern denken niemals nur an Jetzt, sondern immer an die Zukunft ihres Nachwuchses.“

Deshalb sei er auch für die Energiewende, so Glück. Sie ist für ihn zunächst eine riesige Managementherausforderung und sodann ein gesellschaftliches Pilotprojekt, ob und wie es gelingt, Kirchturmdenken zu überwinden. Er selbst ist seit 2011 Mitglied der Ethikkommission der deutschen Bundesregierung für eine nachhaltige Energieversorgung und wandte sich in dieser Position früh gegen die Kernenergienutzung. Für Glück ist der Umbau der Energieversorgung nämlich auch eine Wachstumschance für die deutsche Wirtschaft. Denn, so stellte er klar: „Wir haben auf Dauer nur etwas zu verteilen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben.“

In der anschließenden Diskussion, die der Stadtrat und Bogenhausener Landtagskandidat Robert Brannekämper moderierte, kam unter anderem der Umgang mit dem Islam zur Sprache. Glück plädierte an dieser Stelle dafür, die moderaten Kräfte im Islam zu stärken. Dies gelänge vorrangig mit Dialog, denn das Verständnis und Gespräch zwischen Religionen und Kulturen sei eine Schicksalsfrage unserer Zeit. Immer mehr Menschen würden sich verschiedenen Glaubensrichtungen zuwenden, weil sie Orientierung suchten, so der langjährige Landtagsabgeordnete. Für ihn selbst seien die Erfahrungen der katholischen Landjugend bis heute prägend.