Forschung für die zivile Sicherheit – Innovationen zum Schutz der Bürger

Was kann die Forschung tun, um Katastrophen zu verhindern oder uns vor Terrorismus zu schützen? Wie kann die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr verbessert werden? Wie lassen sich Städte sicherer machen? Mit solchen Fragen befasst sich die Sicherheitsforschung, ein weiteres meiner Berichterstatter-Themen im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

 

Eckpunkte des Forschungsprogramms des Bundes

Auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) startete die Bundesregierung 2007 ein erstes Rahmenprogramm zur Erforschung und Entwicklung umfassender Sicherheitslösungen für realitätsnahe Szenarien zum Schutz der Bürger. Das derzeit laufende Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit 2012 – 2017“ baut auf der ersten Programmphase auf und nimmt folgende Bereiche in den Fokus:

 

  • Schutz und Rettung von Menschen,
  • Schutz kritischer Infrastrukturen,
  • Schutz vor Kriminalität und Terrorismus.

 

Seit dem Start der ersten Programmphase wurden fast 40 Förderbekanntmachungen veröffentlicht und insgesamt mehr als 240 Verbundprojekte mit ca. 1.200 Teilvorhaben bewilligt. Dafür wurden ca. 470 Mio. Euro an Finanzmitteln bereitgestellt. Zusätzlich hat die Industrie mehr als 110 Mio. Euro Eigenmittel investiert. Über die Hälfte entfallen auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). In den Projekten arbeiten Endanwender, wie zum Beispiel Feuerwehren, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk (THW), Hilfsorganisationen, private Sicherheitsdienstleister und Betreiber kritischer Infrastrukturen von Anfang an konsequent mit, um die Forschung am Bedarf auszurichten und die Praxistauglichkeit der erarbeiteten Lösungen sicherzustellen. Von der Förderung profitieren Forschungseinrichtungen, Mittelständler, Sicherheitsbehörden, Einsatzkräfte und schließlich die Bürger.

 

Ausgewählte Praxisbeispiele

Schutz vor terroristischen Bedrohungen

Über Ergebnisse der Forschungsarbeiten konnte man sich beim Innovationsforum „Zivile Sicherheitsforschung“ des BMBF überzeugen, das diese Woche in Berlin stattfand. So stellte Fraunhofer einen in Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden entwickelten ferngesteuerten und mit modernsten Sensoren ausgestatteten Roboter zum Aufspüren von Kofferbomben vor (USBV-Inspektor – Multimodale Sensor-Suite zur Unterstützung der USBV-Entschärfung und Beweissicherung).

 

Mehr Sicherheit bei Großveranstaltungen

Ein wichtiges Thema ist auch die Sicherheit bei Großveranstaltungen, wie Stadtfeste oder Fußballspiele. Im Rahmen des Projekts „BaSiGo – Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“ wurde ein Instrumentarium – die BaSiGo-Wiki – erarbeitet, das Veranstalter und Behörden bei der Vorbereitung, Planung und Durchführung von Großveranstaltungen unterstützen soll. Wesentlich sind dabei Simulationen des An- und Abreiseverkehrs und individueller Fußgängerbewegungen bei Großveranstaltungen. Die Ergebnisse des Projekts dienen als Grundlage für praxisnahe Schulungsszenarien für Einsatzkräfte.

 

Neue Mobilisierungskonzepte für Helfer

Bei Katastrophen oder wenn Menschen in Not geraten sind, kommen oft spontan Helfer zusammen, die sich engagieren wollen. Die zuständigen Organisationen stehen dann vor der Aufgabe, die zusätzlichen Freiwilligen sinnvoll einzubinden. Beim Projekt „ENSURE – Verbesserte Krisenbewältigung durch situationsbezogene Helferkonzepte“ wird daher erforscht, wie insbesondere fachkundige Freiwillige für den Katastrophenschutz mobilisiert werden können. Dabei haben die Forscher vor allem Menschen im Blick, die z.B. als medizinische Ersthelfer ausgebildet sind oder sich als Hausmeister mit der Gebäudetechnik auskennen. Mit einer neu entwickelten App für Mobiltelefone können sie sich registrieren.

 

Konzepte zur Evakuierung und Versorgung von Pflege- und Hilfsbedürftigen

Die Anzahl der pflege- und hilfsbedürftigen Personen nimmt bedingt durch die demographische Entwicklung stetig zu. Viele dieser Personen werden von Angehörigen oder ambulanten Pflegekräften im heimischen Umfeld versorgt. Bei Katastrophenlagen besteht die Gefahr, dass diese Menschen nicht versorgt werden, da z.B. Pflegekräfte sie nicht mehr erreichen können. In derartigen Situationen oder auch bei notwendigen Evakuierungen, stehen Rettungskräfte vor der Frage, welche Personen in der Umgebung Hilfe benötigen und wer die Evakuierung oder Versorgung unterstützen kann. Daher sollen im Rahmen des Projekts „KOPHIS – Kontexte von Pflege- und Hilfsbedürftigen stärken“ Netzwerke aus Behörden, Pflegeinfrastrukturen, Angehörigen und aktiven Akteuren aufgebaut und gestärkt werden. Hierzu werden die Bedürfnisse der betroffenen bzw. betreuenden Personen ermittelt und Unterstützungskonzepte sowie Informationsmaterialien erarbeitet.

 

Eigenes Programm für IT-Sicherheitsforschung

Neben dem Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“ gibt es das im Frühjahr 2015 auf den Weg gebrachte Forschungsrahmenprogramm für IT-Sicherheit „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt“, das erstmals ressortübergreifend die Aktivitäten zur IT-Sicherheitsforschung bündelt. Das BMBF unterstützt das Programm bis 2020 mit ca. 180 Mio. Euro. Gemeinsam bieten die Programme eine starke Klammer.

 

Fazit

Die zahlreichen vom Bund geförderten Forschungsprojekte leisten einen wichtigen Beitrag für ein Mehr an Sicherheit für die Bürger und belegen eindrucksvoll: Deutschland hat in diesem Bereich viel zu bieten und zählt zu den innovativsten Ländern der Welt. An dieser Stelle sage ich auch ein herzliches Dankeschön an alle, die sich im Bereich Sicherheit, Rettungswesen und Katastrophenschutz engagieren!