Debatte zum Berufsbildungsbericht 2014

Aus dem Bereich der Bildung standen diese Woche neben der Regierungsbefragung mit Bundesministerin Wanka auch der Berufsbildungsbericht 2014 im Mittelpunkt, den wir im Plenum debattiert haben. Zuvor hatten wir in der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Bildung und Forschung über den 2. Regierungsentwurf zum Bildungs- und Forschungsetat diskutiert. Der Berufsbildungsbericht beschreibt die Entwicklungen sowie die aktuelle Lage der beruflichen Bildung in Deutschland. Dabei stellte die Koalition ihren Antrag „Berufliche Bildung zukunftssicher gestalten – Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung stärken“ vor. Wir wollen die berufliche Ausbildung stärken, denn sie ist ein bedeutsamer Standortfaktor.

Eine fundierte Berufsbildung garantiert eine sichere Lebens- und Berufsperspektive. Unsere duale Ausbildung gewinnt weltweit immer neue Anhänger und ist ein beliebter Exportartikel. Immer wieder besuchen uns Delegationen aus dem Ausland, die großes Interesse an unserer dualen Ausbildung zeigen und dieses Konzept gerne bei sich einführen möchte. In Deutschland hingegen beobachten wir eine Gewichtsverschiebung: Laut Berufsbildungsbericht 2014 hat die Zahl der Studierenden in Deutschland im vergangenen Jahr erstmals die Zahl derjenigen Personen überschritten, die eine berufliche Ausbildung durchlaufen. In diesem Jahr sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge weiter auf 530.000, dem niedrigsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung. Mehr als 30.000 Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden.

Der Wissenschaftsrat sieht den stark zunehmenden Trend zur gymnasialen Schulbildung kritisch. Immer mehr Studierende scheitern, besonders in den technischen Fächern. Insgesamt verlässt jeder vierte Studierende die Hochschule ohne Abschluss. Diese Quote ist im Berufsbildungssystem nur halb so hoch. Der Wissenschaftsrat plädiert daher für eine indirekte Steuerung der Ausbildungsentscheidungen von Schulabgängern – etwa durch die Anpassung von Studienplatzkapazitäten an den tatsächlichen Bedarf der Wirtschaft und an die finanziellen Möglichkeiten des Staates. Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland rund 200 Gender-Lehrstühle gerade einmal vier Lehrstühlen zur Batterieforschung gegenüberstehen, gewinnen solche Überlegungen an Gewicht.

Wir nehmen den Berufsbildungsbericht zum Anlass, um mit unserem Antrag auf die große Bedeutung des deutschen Berufsbildungssystems hinzuweisen. Es ist ein wesentlicher Standortvorteil unseres Landes und sorgt für den Qualifikationsbedarf der Wirtschaft wie auch die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen. Eine weitere besondere Stärke Deutschlands ist die Ausbildung junger Menschen in kleinen und mittleren Unternehmen. Wir müssen diese Standortvorteile pflegen und dürfen Verbesserungen zur Sicherung und Stärkung des Systems nicht auf die lange Bank schieben. Unsere Vorschläge dazu betreffen Maßnahmen für einen besseren Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung, etwa die sogenannten Bildungsketten. Wir wollen darüber hinaus prüfen, ob das Berufsbildungsgesetz novelliert werden muss. Das Thema haben wir auch im Anschluss an die Fraktionssitzung in einer fraktionsoffenen Sitzung vertieft, an der unter anderem der Vorsitzende des Wissenschaftsrates sowie Vertreter der OECD und der Sozialpartner teilnahmen.