Berufsbildung in Deutschland: Eine positive Bilanz

Nie waren in Deutschland die Chancen auf einen Ausbildungsplatz so gut – das deutsche Berufsbildungssystem mit seinen vielfältigen Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und Qualifikationsniveaus bietet breite Karriereperspektiven, garantiert eine hohe Beschäftigungsfähigkeit und genießt international einen hervorragenden Ruf. Die tragende Rolle der Unternehmen, die enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Sozialpartnern und die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland sind Kennzeichen dieses Erfolgsmodells. Die deutsche Wirtschaft investiert maßgeblich in die duale Berufsausbildung und sicherte auch in diesem Jahr wieder mehr als 500.000 neue betriebliche Ausbildungsverträge. Die Sozialpartner und die Kammern übernehmen neben Bund und Ländern ihre bildungspolitische Verantwortung und sind wesentliche Akteure bei der Gestaltung und Implementierung der dualen Ausbildung in Deutschland. Hunderttausende von Ausbildern und Prüfern, häufig im Ehrenamt, wirken an der Sicherung einer qualitativ hochwertigen dualen Ausbildung mit.

 

Zahlen und Fakten

Für das Ausbildungsjahr 2015 kann sowohl im Vorjahresvergleich als auch in der Gesamtbetrachtung eine positive Ausbildungsbilanz gezogen werden, besonders aus Sicht der jungen Menschen, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Insgesamt wurden mehr als 520.000 Ausbildungsverträge geschlossen. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge ist auf rund 503.200 gestiegen. Bei der Bundesagentur für Arbeit waren rund 520.000 Berufsausbildungsstellen und damit rund 8.400 bzw. 1,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum gemeldet. 100 ausbildungsplatzsuchenden Schulabgängern standen 103,7 Ausbildungsangebote gegenüber – so viele wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Leicht rückläufig ist weiterhin die Quote der jungen Erwachsenen ohne abgeschlossene Berufsausbildung im Alter von 20 bis 34 Jahren. Sie lag im Jahr 2014 bei 13,3 Prozent. Das ist eine positive Entwicklung.

 

Herausforderungen und Lösungsansätze

Es haben sich allerdings auch Passungsprobleme von betrieblichen Ausbildungsplatzangeboten und der Bewerbernachfrage in bestimmten Regionen und Berufen weiter verstärkt. Für viele Betriebe ist es erneut schwieriger geworden, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen. So erreichte die Zahl der gemeldeten unbesetzten betrieblichen Ausbildungsstellen mit 41.000 einen neuen Höchststand. Seit dem Jahr 2013 liegt die Zahl der Studienanfänger höher als die Zahl der Anfänger in der dualen Berufsausbildung. Es nehmen aber auch mehr junge Menschen mit Abitur eine duale Ausbildung auf. Diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen, denn wir wollen, dass die hohe Attraktivität der dualen Berufsausbildung erhalten bleibt. Unser Land braucht auch künftig hochqualifizierte Fachkräfte, vor allem in Zeiten des demographischen Wandels. Dafür setzt sich die CSU-Landesgruppe nach Kräften ein.

 

Die berufliche Bildung bietet viele Aufstiegschancen. Wir müssen uns daher noch stärker für sie engagieren und noch deutlicher machen: Akademische und berufliche Bildung sind beide wichtig und als gleichwertig zu betrachten. Daher haben wir auch das Meister-BAföG gestärkt, das deutliche Leistungsverbesserungen mit sich bringt – darüber habe ich bereits in einer früheren Ausgabe von STEFINGERs WOCHE berichtet. Wichtige Handlungsansätze werden künftig eine stärkere Bewerbung des dualen Systems an den Schulen, eine ausgewogene Berufs- und Studienorientierung auch an Gymnasien sowie gezielte Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des dualen Systems und seiner Berufe sein. Dafür brauchen wir die Bundesländer. Ein wichtiges Instrument ist die Initiative Bildungsketten, bei der die Bundesministerien für Bildung und Arbeit sowie die Bundesagentur für Arbeit mit den Ländern ihre Aktivitäten, Programme und Förderinstrumente aufeinander abstimmen.

 

Die Versorgungsprobleme von Ausbildungsbewerbern insbesondere in Westdeutschland und die gestiegenen Besetzungsprobleme von Unternehmen in Ost- und Westdeutschland sowie das innerhalb Westdeutschlands fortbestehende Nord-Süd-Gefälle hinsichtlich der Versorgung mit Ausbildungsplätzen, machen regionenübergreifende Kooperationen der Berufsbildungsverantwortlichen bei der Vermittlung auf dem Ausbildungsmarkt und bei der Mobilitätsförderung Ausbildungsinteressierter sowie beim Einstellungsverhalten und bei der Bewerbersuche der Betriebe erforderlich.

 

Eine besondere Herausforderung stellt die Bildungsintegration von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive dar. Mit der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ haben Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder ein umfangreiches Paket geschnürt. Dazu gehören der Ausbau der Integrationskurse und die Sprachförderung.