Berufliche Bildung weiter stärken

Der Deutsche Bundestag hat in dieser Sitzungswoche den Antrag der Koalitionsfraktionen „Berufliche Bildung zukunftssicher gestalten – Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung stärken“ beraten. Deutschland hat nicht nur ein exzellentes akademisches Ausbildungssystem, sondern auch ein ausgezeichnetes Berufsbildungssystem. Unsere berufliche Bildung ist ein Erfolgsmodell und genießt international eine hohe Anerkennung. Wir müssen sie daher weiter stärken und noch mehr für die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung werben.

Das duale Berufsausbildungssystem bringt hochqualifizierte Fachkräfte hervor, garantiert eine gute Lebens- und Berufsperspektive und ermöglicht große Aufstiegschancen durch Weiterbildung, etwa den Aufstieg zum Meister, Techniker, oder Fachwirt. Fachkräfte mit fundierter praktischer und theoretischer Ausbildung sind ein wichtiges Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie leisten einen bedeutsamen Beitrag zu Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Die Qualität des Ausbildungssystems ist auch ein wesentlicher Grund für die geringe Jugendarbeitslosigkeit in unserem Land – mit nur 7,9 Prozent ist sie die geringste in ganz Europa.

Damit unser Berufsbildungssystem weiterhin so hervorragend bleibt, müssen wir es weiterentwickeln und neue Herausforderungen bewältigen. Mit ihrem Antrag macht die Große Koalition eine Reihe von Vorschlägen, wie Deutschland das schaffen kann. So befürworten wir die Weiterentwicklung des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs 2010-2014 in eine Allianz für Aus- und Weiterbildung und streben eine Ausbildungsgarantie für alle Bewerber an. Hier sind auch die Sozialpartner gefragt. Außerdem wollen wir eine noch höhere Durchlässigkeit im Bildungssystem erreichen und uns noch mehr für die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung stark machen.

Ferner müssen wir dafür sorgen, dass möglichst viele Berufsanfänger den Weg in die duale Berufsausbildung finden, die gegenüber einer außerbetrieblichen Ausbildung vorrangig ist. Auch gilt es, im Falle einer außerbetrieblichen Ausbildung mittels eines kombinierten Ausbildungsgangs einen flexiblen Übergang in einen Betrieb zu ermöglichen. Hier brauchen wir eine enge Zusammenarbeit mit den Ländern. Neben all dem werden wir vor allem auch die Menschen in den Blick nehmen, die einen besonderen Förderbedarf haben. Dazu gehören Jugendliche ohne qualifizierte Ausbildung und Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Eine erfolgreiche Berufsorientierung braucht entsprechende Informationsangebote. Wir wollen daher das erfolgreiche Berufsorientierungsprogramm in enger Abstimmung mit den Ländern und der Bundesagentur für Arbeit grundsätzlich auf sämtliche allgemeinbildende Schulen ausweiten.

Weitere wichtige Anliegen sind die Vergleichbarkeit der Berufsabschlüsse im europäischen Raum und die bessere Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Berufsqualifikationen. Eine Verwässerung der Qualitätsanforderungen und Ausbildungsstandards darf dabei aber nicht zur Debatte stehen. Ich begrüße zwar das Anliegen der EU-Kommission, die nationalen Berufsausbildungssysteme zu evaluieren und für mehr Transparenz zu sorgen. Das hervorragend bewährte Modell des Meisterbriefs, ein Gütesiegel für Qualität, darf aber nicht angetastet werden; das deutsche Handwerk ist eine unverzichtbare Säule unseres Mittelrstandes. Für den Erfolg der dualen Ausbildung im Handwerksbereich muss auch weiterhin die Meisterqualifikation maßgebend sein.