Der Beitrag der Forschung zur Digitalisierung: Rede beim Wirtschaftsbeirat Bayern

Wo auch immer wir hinschauen: Sämtliche Bereiche unseres Lebens, ob Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft oder Politik sind vom digitalen Wandel erfasst. Das bietet immense Chancen, schafft neue Möglichkeiten des Lernens, Unterrichtens und Forschens und erleichtert unseren Alltag. Fast jeder von uns verfügt über ein Smartphone oder Tablet, kauft über das Internet, bucht dort seine Reisen oder erledigt dort sogar seine Bankgeschäfte und Behördengänge. Rund um die Uhr, fast von überall.

Die Digitalisierung verändert aber auch die Art, wie wir arbeiten: Reale und virtuelle Welt – Maschinen und Internet – verschmelzen zu einem Internet der Dinge, ebnen den Weg in die vierte industrielle Revolution („Industrie 4.0“) . Ein Großteil der Industriefertigung hängt bereits vom Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ab.

 

Digitalisierung bedeutet Spitzentechnologie

Bei meiner Rede beim Wirtschaftsbeirat Bayern habe ich die immensen Chancen der Digitalisierung dargelegt und anhand einer Reihe von Beispielen erläutert, welch bedeutsamen Beitrag die Forschung dazu leistet. Digitalisierung bedeutet Spitzentechnologie / Hightech. Um hier ganz vorne mit dabei zu sein, bedarf es umfangreicher und kluger Investitionen: In Forschung, Entwicklung, Transfer und in Köpfe. Als rohstoffarmes Land braucht Deutschland kluge Köpfe, wenn es in der globalen Wissensgesellschaft weiter eine führende Rolle spielen will. Forschung und Bildung sind die Grundvoraussetzung für Innovation. Und die Innovationskraft unserer Wirtschaft ist das Fundament unseres Wohlstandes von morgen. Deshalb brauchen wir starke Forschungsorganisationen und Hochschulen, innovative Unternehmen, vor allem auch Mittelständler, und ein leistungsfähiges Bildungssystem.

Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt: Wir wollen Leitmarkt und Leitanbieter für Industrie 4.0 und intelligente Dienstleistungen werden. In einigen Bereichen sind wir bereits Weltspitze, sogar schon seit langem. Wenn es aber um innovative Geschäftsmodelle geht, hinken wir noch hinterher. Es gibt zwar viele deutsche Unternehmen von Weltrang – viele mit langer Tradition –, etwa im Automobil-, Anlagen- und Maschinenbau, aber es gibt noch kein deutsches oder europäisches Google, Apple, Facebook oder Microsoft. Hier haben die USA die Nase vorn. Und auch viele andere Länder, darunter China, bleiben nicht untätig. Der internationale Wettbewerb wird härter.

Die klassische Industrie gerät durch die Digitalisierung zunehmend unter Druck: Das lässt sich gut im Automobilbereich beobachten – die Zukunft gehört dem vernetzten, ja irgendwann womöglich dem autonomen Fahren. Die US-Unternehmen Google, Tesla und Apple drängen in den Automarkt und machen damit Branchengiganten wie BMW oder VW das Terrain streitig. Sie werben dabei auch Ingenieure ab, locken mit Spitzengehältern und kaufen gezielt innovative Firmen zur Ergänzung ihres Portfolios auf.

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts, sie sind das schwarze Gold der digitalen Transformation. Wer die Kunst beherrscht, gewaltige Datenmengen intelligent auszuwerten, zu nutzen und sie in innovative Geschäftsmodellen einzubetten, der wird den Sprung in die Champions League der digitalisierten Wirtschaft schaffen und die Konkurrenz weit abhängen.

 

470 Millionen Euro aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung

Mit der „Digitalen Agenda 2014-2017“ hat die unionsgeführte Bundesregierung Meilensteine in der Digitalpolitik gesetzt und zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um unser Land fit für das digitale Zeitalter zu machen. Einer der Schwerpunkte bildet dabei natürlich auch Forschung und Bildung. Rechnet man etwa alle für Industrie 4.0 bewilligten und eingeplanten Fördermittel des BMBF zusammen, so kommt man auf eine stolze Summe von über 470 Millionen Euro. Davon profitieren Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen, darunter natürlich auch der Mittelstand.

Wir erforschen unter anderem:

  • neue Technologien und Maßnahmen zur Stärkung der Cyber-/IT-Sicherheit,
  • Schlüsseltechnologien für die Welt von morgen, wie Autonomik / Robotik, Künstliche Intelligenz (KI), Additive Fertigung / 3D-Druck, Mikroelektronik, Nanotechnologie, Hochleistungsinternet (5G) und Quantentechnologie,
  • neue Ideen für Arbeitsgestaltung, Kompetenzentwicklung und Präventionskonzepte,
  • und neue Wege der Aus- und Weiterbildung.

Wir unterstützen Unternehmen von der Forschung bis zur Marktreife. Ein wichtiges Anliegen ist uns dabei auch die Unterstützung von KMU durch entsprechende Beratungsangebote und Förderbekanntmachungen.

Wir arbeiten an der Entwicklung und Vereinheitlichung von IT-Normen und -Standards.

Wir investieren in Plattformen und Leuchtturmprojekte wie die Plattform Industrie 4.0 und den Industrial Data Space und fördern die internationale Kooperation.

Wir investieren in eine bessere digitale Ausstattung der Ausbildungsstätten.

Mit den umfangreichen Programmen, die die unionsgeführte Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, haben wir gute Voraussetzungen, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten!

 

v.l.n.r. (GG): Dr. Wolfgang Stefinger, MdB; Staatssekretär Georg Eisenreich, MdL; Vizepräsident des Wirtschaftsbeirats Bayern Hans Hammer.